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Johannes von Müller


03.01.1752 - 29.05.1809
Schweizer Historiker, Universalgelehrter, Publizist und Politiker

geboren 3.1.1752 Schaffhausen,gestorben 29.5.1809 Kassel (Hessen), ref., von Schaffhausen. Sohn des Johann Georg M., Pfarrers, Lehrers an der Lat. Schule und Prof. am Collegium humanitatis in Schaffhausen, und der Anna Maria Schoop. Bruder des Johann Georg. Ledig. 1769-71 Stud. der Theologie in Göttingen. Gegen Ende seiner Studienzeit wandte sich M., beeinflusst vom Historiker August Ludwig Schlözer, der allg. Geschichte zu. Nach Schaffhausen zurückgekehrt, wurde M. 1772 Prof. für Griech. Sprache am Collegium humanitatis. 1773 trat er der Helvet. Gesellschaft bei, wo er Karl Viktor von Bonstetten kennenlernte. Dieser vermittelte ihm 1774 eine Stelle bei Jacob Tronchin in Genf. Dort wirkte M. als Privatgelehrter u.a. bei Jean Robert Tronchin und verkehrte im Kreis um Charles Bonnet. 1779-80 hielt er universalgeschichtl. Vorlesungen. Die erste Fassung des ersten Bands seines Hauptwerks "Die Geschichten der Schweizer" erschien 1780 mit dem fingierten Druckort Boston in Bern. M. reiste 1780-81 nach Berlin. In Kassel war er 1781-82 als Prof. der Geschichte und Statistik am Collegium Carolinum tätig, 1782-83 als Unterbibliothekar mit dem Titel eines Rats. Ab 1782 kehrte sich M. unter dem Einfluss Johann Gottfried Herders von der rationalist. Aufklärung ab und entwickelte ein providenziell-teleolog. Geschichtsbild. Er wurde Mitglied der Kasseler Société des antiquités und der Erfurter Akad. gemeinnütziger Wissenschaften. Für kurze Zeit gehörte er den Illuminaten und Rosenkreuzern an. 1783 nahm er eine Stelle als Hofmeister in Genf an und lebte 1784-85 als Privatgelehrter in Valeyres-sous-Rances auf dem Landgut Karl Viktor von Bonstettens. Nachdem er 1785-86 in Bern an der Akademie Vorlesungen gehalten hatte, bekam er mit Hilfe Christian Gottlob Heynes 1786 in Mainz eine Stelle als erster Bibliothekar, wurde zum Hofrat ernannt und fungierte ab 1788 als Wirklicher Geheimer Legationsrat und enger Mitarbeiter des Kurfürsten und Ebf. Friedrich Karl Joseph von Erthal. 1787 wurde M. zuerst nach Rom gesandt, um die päpstl. Zustimmung zur Koadjutorwahl des Frh. Karl Theodor von Dalberg zu erlangen, dann in die Schweiz, um die eidg. Orte für den Fürstenbund zu gewinnen. 1788-98 trug er den Titel eines Schaffhauser Ratsherrn. 1791 wurde er von Ks. Leopold II. geadelt. Nach dem Fall von Mainz zog er 1792 nach Wien, wo er 1793 zum Wirklichen Hofrat bei der Geheimen Hof- und Staatskanzlei und 1800 zum ersten Kustos der Hofbibliothek ernannt wurde. Seine diplomat. Tätigkeit führte ihn 1797 erneut in die Schweiz. 1804 siedelte er als Hofhistoriograf des Hauses Brandenburg nach Berlin über. Er fand Aufnahme in der Berliner Akad. der Wissenschaften und beteiligte sich an der Herausgabe der Werke Johann Gottfried Herders. 1807 wurde er von Napoleon I., dessen Gegner er bis 1806 gewesen war, zum Minister-Staatssekretär des Königreichs Westfalen in Kassel ernannt. Von 1808 bis zu seinem Tod versah er dort das Amt des Generaldirektors des öffentl. Unterrichts.

1810 erschien M.s unvollendete Universalgeschichte "Vier und zwanzig Bücher Allgemeiner Geschichten besonders der Europ. Menschheit". Als Universalhistoriker wirkte M. wenig auf die Nachwelt; seine farbige Schilderung der ma. Geschichte der Eidgenossenschaft (5 Teile, 1786-1808) und sein Festhalten an der Befreiungstradition beeinflussten dagegen die hist. Forschung im 19. Jh. und die populäre Wahrnehmung der Schweizer Geschichte stark. Als Staatsmann und produktiver Publizist bemühte er sich um die Gleichgewichtsidee und den Föderalismus in der Schweiz, im Reich und in Europa. M. war ein Förderer junger Wissenschaftler sowie bedeutender Briefschreiber und Rezensent mit einem weltweiten Freundeskreis. Als Intellektueller, Kosmopolit und sprachmächtiger homme de lettres faszinierte er Historiker, Literaturwissenschaftler und Künstler des 19. und 20. Jh.

Quelle Biografie:

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Johannes von Müller aus dem Historischen Lexikon der Schweiz (HLS) - Onlineversion des Historischen Lexikon der Schweiz. Autorin/Autor: André Weibel. Version : 24.08.2011.





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