Suche
thumb Die sechs Kummerbuben (1967)

thumb Hans Heinz Moser
09.05.1936 -
05.04.2017
thumb Lukas Ammann
29.09.1912 -
03.05.2017
thumb Walter Thurnherr
11.07.1963
thumb Bundesratsfoto 2017

Carl Gustav Jung


26.07.1875 - 06.06.1961
Schweizer Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie

geboren 26.7.1875 Kesswil,gestorben 6.6.1961 Küsnacht (ZH), ref., von Basel. Sohn des Johann Paul Achilles, Pfarrers, und der Emilie Preiswerk. Enkel von Karl Gustav J. und Samuel Preiswerk. Neffe des Ernst Georg. ∞ 1903 Emma Rauschenbach, Tochter des Johannes, Uhrenfabrikanten (IWC), Enkelin von Johannes Rauschenbach. Matura und 1895-1900 Medizinstud. in Basel. 1900-02 Volontär und Assistenzarzt an der Psychiatr. Universitätsklinik Burghölzli Zürich bei Eugen Bleuler. 1902 Dissertation über "Die Psychologie und Pathologie der sog. okkulten Phänomene", danach Studienaufenthalt bei Pierre Janet in Paris. 1904-09 Sekundararzt am Burghölzli, 1905-14 PD für Psychiatrie an der Univ. Zürich. In seinem ab 1904 eingerichteten psycholog. Laboratorium am Burghölzli entstand 1905 seine Habilitation über Assoziationsexperimente. Die daraus abgeleiteten "Komplexe" der Probanden bestätigten J. die "Verdrängungsmechanismen" im Sinne Sigmund Freuds und eröffneten ihm eine neue Sicht auf die bizzaren Symptome seiner Patienten. Unter dem Einfluss seiner Begeisterung für Freud wurde das Burghölzli zum Mittelpunkt einer international einflussreichen Begegnung von Psychiatrie und Psychoanalyse und J. zum eigentl. Organisator und Gründungspräsident der Internat. Psychoanalytischen Vereinigung (1909-13). Aufgrund seiner von Freuds Konzeption einer rein sexuellen Libido abweichenden Auffassung der Libido als einer autonomen, polaren psych. Energie, die in allg. (archetypischen) und individuellen Entwicklungsmustern des bewussten und unbewussten Lebens zum Ausdruck kommt, zwang ihn dieser 1913 zum Rücktritt von seinem Amt und zum Rückzug aus der psychoanalyt. Bewegung. Freud verwarf auch das für J. zentrale Konzept des kollektiven Unbewussten.

In seiner Privatpraxis in Küsnacht entwickelte J. über die Beschäftigung mit seinem eigenen Fantasiematerial und jenem seiner Patienten die Technik der "aktiven Imagination", einer Auseinandersetzung mit den kollektiven und persönlichen archetyp. Bildern (v.a. Animus/Anima, Schatten). Gleichzeitig entwarf er das Konzept der "Psycholog. Typen" (1921), mit dem er seine Divergenz zu Freud und Adler verarbeitete. Daraus ergab sich das therapeut. Ziel der "Individuation", einer ganzheitl. Persönlichkeitsentwicklung, in der sich das "Selbst" realisiert und die Anpassung des "Ich" an die innere und äussere Realität steuert.

Entscheidend für die Ausbildung einer eigenen Terminologie und Schule, die Analyt. Psychologie, war 1916 die Gründung des Psycholog. Clubs in Zürich. Als Freizeitclub für Patienten gestiftet, entwickelte er sich zu einem Diskussionsforum für angehende Analytiker (u.a. Marie-Louise von Franz, Aniela Jaffé, Carl Alfred Meier, Toni Wolff). J.s Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus wird bis heute kontrovers diskutiert. Mit der Übernahme des Präsidiums der (gleichgeschalteten dt.) Internationalen ärztl. Gesellschaft für Psychoanalyse und der Herausgeberschaft des Zentralblattes für Psychoanalyse (1933, Rücktritt 1940) glaubte J. eine unpolitische ärztl. Pflicht zu erfüllen und im Interesse der Erhaltung der Psychotherapie als junger wissenschaftl. Disziplin zu handeln. Dieser Schritt wie auch seine leicht misszuverstehenden Ausführungen zum „jüd. Problem“ und zur psycholog. Erklärung des Nationalsozialismus trugen ihm den Vorwurf der Sympathie für das Regime ein (u.a. Kontroverse mit Gustav Bally).

1933-41 hielt J. öffentl. Vorlesungen über Psychologie an der allg. Abteilung der ETH Zürich, ab 1934 war er Titularprofessor. 1943-44 wirkte er als Prof. für medizin. Psychologie an der Univ. Basel. Von 1933 an entwickelte er viele seiner Gedanken an den jährlich in Ascona stattfindenden Eranos-Tagungen, in denen ein internat. Kreis ganzheitlich interessierter Geistes- und Naturwissenschaftler zusammentraf. Mit seiner Anschauung der religiös-myst. Traditionen als einer ununterbrochenen Kette von Manifestationen des kollektiven Unbewussten eröffnete J. einen überkonfessionellen, psycholog. Zugang zu religiöser Erfahrung. Seine zusammen mit dem Physiker Wolfgang Pauli erarbeitete Theorie der "Synchronizität als Prinzip akausaler Zusammenhänge" (1952) erklärt viele parapsycholog. Phänomene als Entsprechung der auch in der physikal. Materie auf subatomarer und kosm. Ebene gefundenen Gesetzmässigkeiten.

J. erhielt zahlreiche Ehrendoktorate, u.a. 1909 (gleichzeitig mit Sigmund Freud) der Clark University in Worcester (USA), 1936 der Harvard University (USA), 1938 der Univ. von Kalkutta, Benares und Allahabad (alle Indien), 1945 der Univ. Genf und 1955 der ETH Zürich. 1948 wurde das Jung-Institut Zürich (heute Küsnacht) als gemeinnützige Stiftung für die Ausbildung und Forschung in Analytischer bzw. Komplexer Psychologie gegründet. In der International Association for Analytical Psychology (IAAP) sind heute weltweit ca. 70 Gruppierungen aus ca. 30 Ländern organisiert, welche grösstenteils auch eine therapeut. Ausbildung anbieten.

Quelle Biografie:

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Carl Gustav Jung aus dem Historischen Lexikon der Schweiz (HLS) - Onlineversion des Historischen Lexikon der Schweiz. Autorin/Autor: Angela Graf-Nold. Version : 17.10.2013.





Kommentare


Name/Vorname:
E-Mail:
Kommentar:
 
Sicherheitscode: