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Giovan Battista Pioda


04.10.1808 - 03.11.1882
Tessiner Politiker und Diplomat, Jurist, 11. Bundesrat

geboren 4.10.1808 Locarno, gestorben 3.11.1882 Rom, kath., dann Freidenker, von Locarno. Sohn des Giovan Battista. Bruder des Giuseppe, Luigi und Paolo. ∞ Agata Sozzi, Tochter des Filippo, von Giornico. Der erstgeborene P. hatte elf Geschwister, war seinerseits Vater von zwölf Kindern und ist zweifellos die bedeutendste Persönlichkeit der Familie. In Mechelen (Niederlande, heute Belgien), wo er einige Jahre mit der Fam. verbrachte, da der Vater dort als Offizier in fremden Diensten stationiert war, besuchte er ein Knabeninstitut, anschliessend die Benediktinerkollegien von Bellinzona und Einsiedeln, das Lyzeum Gallio in Como und die Univ. von Pavia, wo er 1831 mit dem Lizenziat in Jurisprudenz abschloss. Im Büro des Liberalen Domenico Galli in Locarno absolvierte er ein Praktikum, erlangte 1833 das Anwalts- und Notariatspatent und wirkte 1834-39 als Staatsanwalt des Kreises Locarno.

Zur Politik kam P. in sehr jungen Jahren und in geistiger Unabhängigkeit von seinem Vater, dem Staatsrat. Ihm widmete er 1830 das kleine Werk "Osservazioni intorno alla riforma della Costituzione nel Cantone Ticino". Darin nahm er die auch von anderen Tessiner Reformern geschätzten laizist. Ideen auf: Rationalisierung der Verwaltung, allg. Wahlrecht, persönl. Freiheit und Pressefreiheit sowie Volksbildung. Die eigentliche polit. Laufbahn schlug er nach der Revolution vom Dez. 1839 ein, als die Liberalen gewaltsam die Macht im Kt. Tessin übernahmen. P. sass 18 Jahre ununterbrochen in der Kantonsregierung und besetzte abwechselnd das Amt des Staatsschreibers (1839-42, 1847-55) und des Staatsrats (1842-47, 1855-57). In seine Amtszeit fällt die lange Periode liberaler Hegemonie. Diese für die Geschichte des Kantons entscheidende Zeit zeichnete sich im Innern durch eine heftige Opposition (1841 und 1855 mit Gewalt unterdrückt) und durch eine intensive gesetzgeber. Tätigkeit aus, die u.a. die Beziehungen zwischen Staat und Kirche (Verstaatlichung des Unterrichtswesens, 1848 und 1852 Säkularisation der Klostergüter, 1855 "Legge civile-ecclesiastica") neu regeln wollte. Zudem musste sich der Kanton gegenüber der österr. Lombardei behaupten, die 1853-55 eine drückende Wirtschaftsblockade verhängte, sowie mit den Bestrebungen für eine Stärkung des Bundes, wie sie in der Bundesverfassung von 1848 festgehalten wurde. 1847 nahm er als Brigadekommandant am Tessiner Feldzug des Sonderbundskriegs teil, der mit einer überstürzten Flucht aus Airolo endete. In der eidg. Politik wirkte er als Gesandter an den Tagsatzungen von 1844 und 1848 und sass 1848-54 sowie 1855-57 im Nationalrat. 1850 bewährte er sich als eidg. Kommissär bei der Beilegung der Zwistigkeiten im Kt. Freiburg. Nach dem unerwarteten Tod von Stefano Franscini 1857 wurde er in den Bundesrat gewählt, wo er 1857-63 das Departement des Innern leitete. Seine Aufmerksamkeit galt u.a. den grossen Gewässerkorrektionen und Meliorationen, der Landesstatistik und dem Polytechnikum in Zürich. Nach seinem Rücktritt wurde er als bevollmächtigter schweiz. Minister in Turin akkreditiert und übersiedelte mit dem Wechsel der ital. Hauptstadt zuerst nach Florenz, dann nach Rom.

Im Zentrum seines polit. Wirkens stand die Eisenbahnfrage. Sie begleitete ihn in den versch. Entwicklungsstadien und den unterschiedl. Ämtern, die ihn vom Tessin nach Bern und schliesslich nach Italien brachten. Er wurde zum Sprecher der Gotthard-Fraktion im Bundesrat, der ihn nicht zufällig zu seinem Vertreter bestellte. Seine über vierzigjährige polit. Laufbahn, seine Effizienz als gewissenhafter Verwalter und hartnäckiger Unterhändler mit internat. Kontakten sowie seine Fähigkeit, Zustimmung zu finden, machen P. zu einer der herausragenden Gestalten der Tessiner Geschichte des 19. Jh. Im Tessin wurde er, besonders nach Franscinis Weggang nach Bern, zum Garanten der liberalen Politik. Sein Wegzug aus dem Kanton trug ihm auch eine grössere Unabhängigkeit im Urteil über Tessiner Angelegenheiten ein, die er stets und beharrlich im Auge behielt. Das machte ihn zum unparteiischen Vermittler in den Verfassungskämpfen von 1871. P. starb 73-jährig an den Folgen einer schweren Blasenerkrankung, die ihn schon jahrelang geplagt hatte, und wurde zivil bestattet.

Quelle Biografie:

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Giovan Battista Pioda aus dem Historischen Lexikon der Schweiz (HLS) - Onlineversion des Historischen Lexikon der Schweiz. Autorin/Autor: Carlo Agliati / RG. Version : 03.02.2010.





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