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Antwort auf das Wort eines freyen Schweizers an die große Nation



Johann Caspar Lavaters kritische Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution von 1798

1798 zwangen die Franzosen der Schweiz eine Einheitsverfassung auf. Außerdem wurde die Schweiz zur Zahlung von 16 Millionen Franken bestimmt, davon sollten die Mitglieder der ehemaligen Regierung von Zürich persönlich 3 Millionen aufbringen. Französische Truppen zogen in Zürich ein, um von da aus die Kantone der Innerschweiz zu unterwerfen. Lavater schrieb schon im April 1798 an den Bürger General Schauenburg: «Wir sind nicht frei, Bürger, wir sind Sklaven, sei es Frankreichs Sklaven oder einiger treulosen und gesetzlosen Verleumder, die sich Demokraten nennen.»

Am 10. Mai 1798 wandte er sich mit «Ein Wort eines freien Schweizers an die große Nation» an den Bürger Direktor Reubel in Paris, der die Unterjochung und Ausplünderung der Schweiz in erster Linie betrieb. Gegen Lavaters Willen wurde sein Schreiben gedruckt und verbreitet, was ihm verschiedene gefährliche Scherereien eintrug. Von Paris erhielt er am 14. Juni eine undatierte und nicht unterzeichnete, jedoch mit dem Direktorialsiegel versehene Antwort. Am 20. Juni erwiderte Lavater diese Antwort. Dieser Schriftwechsel wurde veröffentlicht in den Nachgelassenen Schriften, Band 1, 1801.(1)

Quelle (1) und kompletter Text „Ein Wort eines freyen Schweizers an die große Nation“ auf

http://www.carl-huter.ch/index.php/history/j-c-lavater/ein-wort-eines-freien-schweizers

Nachfolgend die gedruckte, handschriftliche Abschrift der „Antwort auf das Wort eines freyen Schweizers an die große Nation": Samt der Gegenantworten von Johann Caspar Lavater vom 20. Juni 1798 und vom 11. Juli 1798.

 

Antworth auf das Wort eines freyen Schweizers an die große Nation.

Wenn die feinsten Schmeichler oftmal diejenigen sind, welche mit dem Lob, das sie ertheilen, wollen satyrische Züge vereinen, so sind vielleicht auch die boshaftesten Satyriker diejenigen, welche zuerst lob ertheilen, um in der Folge desto besser tadeln zu können; und das scheint der Bürger Lavater in dem kurzen Worth, welches er erst an die große Nation adreßiert hat, sehr wohl bedacht zu haben. Die große Nation, dies ist der Titel, den er gerade anfangs der französischen Republik giebt. Wer sie nicht bewundert, sagt er, der kennt sie entweder gar nicht, oder er ist unfähig, irgendetwas zu bewundern.

Freylich ist diese Huldigung schmeichelhaft ohne ihresgleichen aber Herr Lavater ist mit seiner eigenen Lehre im Widerspruch; weil er glaubt, man müsse die Menschen nach ihren Gesichts-Zügen beurtheilen, so zeigt er die Miene des Freundes, um desto mehr Zutrauen zu gewinnen, und die Schaale, welche er uns anbietet, überstreicht er mit Honig, damit wir desto sicherer das bittere Getränk verschluken mögen.

Das Lob, welches er voransezt, soll gleichsam dem Tadel zum Geleit-Brief dienen, damit er bald darauf selbst diejenige Republik angreift, welche die große Nation zu nennen ,ihm kurz vorher gefallen hat, welcher er den Tribut seiner Bewunderung gezollet hatte, welche alle Welt nach seynem Beispiel bewundern sollte, unter der Strafe als unfähig, etwas zu bewundern, erklärt zu werden.

Hierauf stellt seine Feder, untreu dem, was sie soeben geschrieben hat, bald eine Art von Klage auf über das Betragen der großen Nation gegen die Schweiz, und diese Klage beruhet auf folgenden 3 Punkten:

1. mit welchem Recht hat Frankreich seine Truppen in die Schweiz einrücken lassen?

2. mit welchem Recht hat es feindlich gegen die kleinen Cantone gehandelt und ihre Unabhängigkeit verlezt?

3. mit welchem Recht hat es Contribution aufgelegt?

Daß diese beschuldigenden Klagen aus einer Seele herfließen, welche stark am Glück und an der Freyheit seines Vaterlandes hängt, dies zu denken, lassen wir dem Bürger Lavater Gerechtigkeit widerfahren. Aber hat auch gewiß sein Herz seinen Verstand nicht irre gemacht? Er sieht jezt nur die Übel des Krieges und vergißt diejenigen, die ihn hervorgebracht haben.

Er ist überdies so gütig, sich als Vertheidiger der Unterdrückten anzukündigen, deren Unterdrückung man würklich für wahr ansieht, um sich mit Recht beklagen zu können. Laßt uns also untersuchen, ob die Klagen würklich begründet seyen.

Kann man Frankreich wegen der Verlezung des Schweizer Gebiets und des Angrifs der kleinen Cantone anklagen? Kann man es ihm zum Verbrechen machen, daß es Contributionen aufgelegt hat?

Aber den ersten Punkt, der die Verlezung des Schweizer Bodens betrift, sprechen Sie, mein Herz, wie folgt. Die französische Nation, die seit mehreren Jahren mit den mächtigsten Nationen in einen Krieg verwikelt ist, und zwar warum? damit keine fremde Macht sich in ihre inneren Angelegenheiten mische, hate weder um ihrer Übermacht, noch um ihrer Glücklichen Siege willen irgendein anderes Recht, als das Tyrannen-Recht, in die Schweiz einzudringen, um das, was sie Aristokratie nannte, zu zerstören und sich in unsere inneren Angelegenheiten mit bewafneter Hand zu mischen, indem sie dies that, handelte sie selbst mit der Gerechtigkeit im Widerspruch.

Das französische Gouvernement wird diesen heiligen Bund der Unabhängigkeit des Volkes, auf welchen sie sich berufen, immer zu respectiren wissen, Es macht gar kein Handwerk daraus, die Revolutions-Lehre fortzupflanzen, wie Mahomet seinen Alkeran. Er ist damit zufrieden, seine Rechte zu behaupten, Er will den Rechten anderer gar nicht zu nahe treten; oder hat es etwa die ihrigen verlezt, als es Truppen auf Euer Gebiet marschieren ließ?

Unstreitig würde es, wenn es dieselben ohne Ruf, ohne gesezlichen Beweg-Grund dahin geführet hätte, die Neutralität verlezt haben, die es bis dahin heilig befolget hatte. Aber ihr Einmarsch wurde öffentlich herbey gerufen und gerechtfertiget, in der That, obgleich das durch die oligarische Thyranney ungerechter Weise unterdrückte Pay de Vaud Frankreich um seine Vermittlung bat nach dem Inhalt der Verträge, die uns verbindlich machten, ihnen den freyen und vollen Gebrauch ihrer Rechte sicher zu stellen ‚so marschierte doch die Arme in das Pay de Vaud erst nach der schändlichsten Verlezung des Völkerrechts und einem feindlichen Angriff, welcher sie zwang, Gewalt mit Gewalt abzutreiben, und nie häten die Truppen die Gränzen des Pay de Vaud überschritten, wenn es nicht mehrere Angriffe gegeben häte.

In der That gehet die rasende Oligarchie überall hin, erhizt die Gemüther, facht das Feuer der Zwyetracht an, bewaffnet ihre Trabanten und rüstet die Feuersbrunst, zu welcher sie schon seit langer Zeit die Materialien gesammelt hatte. Ihr Haß auf den fränkischen Namen bleibt nun nicht länger verborgen, bis dahin war sie nur durch die unterirdischen Gänge der Verätherey gegangen; sie führte nur einen heimlichen Krieg mit uns, während dem sie die Neuteralitaet vorgab; und was war dieses anderes, als eine Neuteralitaet, in deren Schritten man alle Kraft einer bewaffneten Coalition gegen uns verbarg. Man vertheidige sich gegen einen Feind, der uns von vornen angreift, aber wie sich gegen einen Feind vertheidigen, der uns von hinten den Stoß giebt?

Die h1vetische Oligarchie hat noch mehr gethan: mit einer Hand reichte sie uns den Friedens-Zweig und mit der anderen schärfte sie den Dolch gegen uns.

Habt Ihr sie nicht standhaft vereinigt gesehen, die emigrirten und widerspenstigen Priester aufbehalten, die aus dem Zufluchts-Ort, der ihnen durch sie geboten war, in deren Folge das Feuer der Revolution, des Fanatisme und des Bürgerkriegs anfachten. Sehet Ihr nicht, wie sie vor ihren Augen das Gift bereiten ließen, das Frankreich anfeinden mußte, indeni sie heimlich Verfertiger falscher               Assignaten in Schuz nahmen, die sie öffentlich zu verfolgen schien. Sahet Ihr sie nicht,d ie Verfahrens-Art des Engländers Wichham unterstüzen und wie die Schweiz eine Art Handelsstube aller Laster umgewandelt ward, die das Englische Cabinet eingab und unter uns bezahlte. Seht Ihr es nicht, wie sie gestatete, daß man den einmüthigen Sinn einer ganzen Nation brandmarkte, daß man die Zeichen unserer Freyheit aushönte, als sie Condä und seine Ritter, die in die Zeichen der Revolution eingehüllt waren, annahm und ehrte.

Hierauf wollte sie immer noch scheinen, wenigstens eine anscheinende Behutsamkeit zu besitzen und ihre Streiche, obgleich sie in Wahrheit feindlich waren, wagte sie nur, ein Schreiben aufzuführen. Aber als sie sah, daß das Pays de Vaud sich weigerte, sich unter ihr eisernes Joch zu schmiegen, sobald sie Frankreich ihm Beistand leisten sah, welchen anzurufen ihm seine Unterhandlungen mit ihr das Recht gaben, da ward das Maß nicht mehr beizubehalten, da war sie nicht mehr im Zaum zu halten, keine Übereinkraft hielt sie zurük, kein Völkerrecht achtete sie mehr. Ein Friedens-Gesandter, ein Mitglied des französischen Gouvernements, ward schimpflich angegriffen, zwey Husaren, die ihn begeleiteten, fielen unter den Streichen der durch sie gedungenen Meuchelmörder, und er selbst entging dem Tod nur durch die Flucht.

Das Blut dieser edlen, feigerweise ermordeten, die Ehre des französischen Namens, das verrathene und verlezte Völkerrecht forderten Rache. Aber friedliche Gesinnungen wohnten im Herzen des französischen Gouvernements, zaudernd ging es einen Weg und erschöpfte alle Mittel zur Wiedervereinigung; während es die Zeit mit freundschaftlichen Verhandlungen zubrachte, machte die helvetische Oligarchie feindliche Vorbereitungen durch militärische Bewafnungen. Bald erschien eine Armee von 40000 Mann, es wehete die Fahne des Krieges, der Berner General machte dem französischen bekannt, daß er Befehl erhalten habe, ihn anzugreiffen und daß abends um 10 Uhr die Feindseligkeiten ihren Anfang nehmen sollten.

Der bestimmte Zeitpunkt war noch nicht verlaufen und schon waren die einzelnen Posten unversehends angegriffen, und schon sahen sich unsere edlen Verteidiger, die zu sehr auf die Treue der Verhandlung trauten, vom Tode getroffen.

Wer aber war hier der angreifende Theil? Wer zog zuerst den Dolch? Wer hat zuerst zur Stunde der Schlacht gerufen? Die ange griffenen Franken haben sich vertheidigen müssen, sie haben sich vertheidiget,und das Schlachtfeld von Murten ist ewiger Zeuge ihres Ruhmes und der Treulosigkeit der Oligarchen, die sich schmeichelten, da eine Burgundische Scene zu erneuern.

Wenn nun der Krieg gekommen ist, die Ruhe Eurer Famillien zu stören, wenn das Land, das Eure Bürger fruchtbar machten, mit ihrem starken Arm, mit ihrem Blut benezt ward, so muß dieses Blut wieder auf die verruchte Oligarchie zurückfallen, die sie ihren Pflug verlassen ließ, um sie mit eisernen Werkzeugen des Todes zu bewaffnen.

Das, das ist es, Herr Lavater, was sie sich innerlich nicht verschweigen können, und es scheint, daß sie es, ohne unsere Antwort abzuwarten, schon erkannt haben, weil sie von dem Hauptverbrechen, dessen sie uns beschuldigen ,auf die Unabhängigkeit der Schweiz unaufmerksam gewesen zu seyn, auf das Theilverbrechen, die der kleinen Cantone im Auge gehabt zu haben, übergehen.

Sind Sie nun gründlicher über diese 2.Anklage berichtet? Laßt uns eilig die Thaten ins Gedächtnis zurückrufen. Kaum war die Oligarchie zerschellet, als das bisher unterdrückte Freyheitsgefühl in den Herzen der wenigen Nachkömmlinge Tells einen edlen Schwung annahm, und als ihre Wünsche eine Constitution forderten, die Helvetien zu der ein und untheilbaren Republik machten.

Diese Idee, Sie sagen es ja, selbst war schön und groß. Die Klügsten und besten Schweizer konnten es vortheilhaft für ihr Vaterland finden. Bald erschien ein Vorschlag zu einer Constitution durch einen Eurer aufgeklärtesten Bürger verfertiget, und Sie bewundern es iez noch als eine Meisterstück des menschlichen Geistes, als ein ehrwürdiges Denkmal einer großen Politik.

Wohlan, diese Constitution, der Sie huldigen, der Sie Ihren ungetheilten Beyfall schenken, warum mußte man, um sie zur Annahme zu bringen, zur Gewalt schreiten? Die Cantone, die sie theilweise angenommen haben, konnten sie nicht, wie Ihr, ihrem eigenen Antrieb folgen? Wie Sie haben sie eingesehen, daß sie ein ehrwürdiges Denk- Mal eines großen Staats-Kunst sey, wie Sie haben sie es eingestanden ,daß sie der Schweiz vortheilhaft sey, und sie haben sich ihr widersezt, das Sigel ihres Beyfalles - das beweist die volle Freyheit ihrer Wünsche, was auch daran ist, daß sie ihre Sanction verwarfen, aber das Recht, das sie hatten, es zu verwerfen, gab es ihnen auch dasjenige, sich dem zu widersezen, daß sie andere angenommen hatten, daß sie durch diejenigen in Ausübung gesezt war, die von nun an nicht unter Herrschaft leben wolten. Jedes Recht haben sich indessen die kleinen Cantone anmaaßen wollen. Dadurch bewiesen sie vorzüglich ihre Freundschaft gegen die große Nation, die nach ihrer Meinung der einzige Urheber ,daß man die neue Constitution annahm, und folglich fiel es auf die Schweizer zurück, die sie an= genommen hatten; diese Stimmung des Geistes war der Oligarchischen Parthey zu günstig, um sie unbenuzt zu lassen.Sie fanden auf einmal ein Mittel, den Krieg gegen uns wieder anzufachen und sich an den braven Helvetiern zu rächen, die es gewagt hatten, sich von ihrem Joch zu befreyen.

Solte das Blut noch fließen, solte die Schweiz das Theater des Bürgerkrieges werden, sollten Bürger sich gegen Bürger schlagen, Freunde gegen Freunde, muß die ausathmende Aristocratie es noch einmal versuchen, ihren greulichen Scepter zu erheben. Die Ausgesandten schürten nach Wunsch das Feuer des Aufruhrs, überall gingen sie hin, den Haß zu verstärken, den Kühnen machten sie Muth, die Schwankenden rissen sie mit sich fort, die Schwachen unterjochten sie.

Der Fanatismus leiht ihnen eine neue Stüze ,er zeigte die Freyheit ihres Landes unthätigen Menschen, die den Werth der Unabhängigkeit fühlten, durch fremde Truppen bedroht, religieuse und leichtgläubige Menschen ließ er ihren Gottesdienst zerstört und ihre Altäre durch Gottlosigkeit umgeworfen sehen, und so liefen die friedlichen Hirten-VöIker, in Unruhe gesezt über das, was ihnen das Liebste ist, über ihr Vaterland und Reiigion,  bald zu den Waffen,und indem sie wähnten, zu ihrer Verteidigung zu laufen, ver theidigten sie nur Betrüger und Tyrannen.

Die Erfahrung des Vergangenen ließ Frankreich vermuthen,daß man sich nicht bios mit Feindseligen erklären würde, und dennoch blieb es ruhiger Zuschauer dieser Bewafnungen. Sie blieben fest, das ist wahr, dem Angriff zu widerstehn, aber nicht, ihn zu beginnen

Werhat angefangen? Die kleinen Cantone, die ganze Schweiz kann dies bezeugen. Sollten denn unsere Soldaten ungestraft diesen sträflichen Angrif dulden, sollten sie sich erwürgen lassen, ohne den Streichen ihrer Feinde zu antworten, weil sie unerwartet waren?

Man findt sie immer wieder auf dem Siegesfeld, als solche haben sie sich gezeigt zu Fleury, auf der Brücke Lodi, als solche haben ihre Mörder sie erkannt mitten in den Felsen, die die Natur jenen zu unüberwindlichen Wällen gemacht zu haben schien.

Euere jezenden Mitbürger wähnten, sich für ihr Vaterland zu schlagen, und in der nämlichen Zeit ,in der sie ihr Blut für das= selbe zu vergießen glaubten, fälschten die Verräther Freyheit, sie wolten sie einer fremden Botmäßigkeit unterwerfen. Leset, leset doch einmal den Brief des Abts von Einsidlen und sehet in demselben den lasterhaften Anschlag, die kleinen Cantone dem Kayser zu überliefern, eine Oestereichische Provinz daraus zu machen.

Helvetier! Das war der Preis, der Euch aufbehalten war; Ihr hättet kein Vaterland mehr gehabt, Ihr hättet sogar den Namen verlohren, der Euren Muth ehrt; Ihr soltet keine Schweizer mehr seyn, Nein! Unterthanen eines fremden Fürsten. Das ist die wahre Gefahr, die Euere Unabhängigkeit bedrohte, seht Ihr Eure wahren Feinde! Sie sind es, die Euch wie eine schlechte Heerde verkaufen wolten, diese sind es, die Euch Ketten schmiedeten; und die Franzosen suchten nur die Helvetischen Völker, ihnen näher vereint durch die Bande der Einigkeit, friedlich die Wohlthaten der Freyheit und Gleichheit gemeinsam genießen zu lassen.

Es bleibt Ihnen nun, die letzte Klage zu untersuchen übrig: mit welchem Recht hat Frankreich Contribution aufgelegt?

Diese Frage ist ohne Zweifel die undelicateste, die man vor einem Schweizer zu behandeln hat, Herr Lavater! Es ist selten, daß ein Mensch Gehör gebe, wenn man den Gegenstand seiner Leidenschaften bekämpfen will, und gegen die Grundsäze sprechen, wovon er eingenommen ist, einem Verschwender Oeconomie vorpredigen, einem Geizhals Wohlthätigkeit, oder von einem braven Schweizer Geld begehren, mit diesem hat es ohngefähr die gleiche Bewandtnis. Danach erlauben Sie uns einige Bemerkungen.

Welcher? der angreifende oder der angegriffene Theil ist der Urheber des Krieges? Der angreifende ohne Zweifel, antworten Sie uns. Wohlan, Sie haben bewiesen, daß unsere Truppen erst da in Euere Cantone eindrangen, nachdem sie gegen die Gültigkeit der Unterhandlungen angegriffen waren, gegen das Völkerrecht durch eine Armee von 40000 Mann angegriffen, durch die Oligarchie der Urheber des Kriegs ausgehoben. Ihre Regierungen mußten die Last davon tragen, und diese Last besteht darin, daß sie die Unkosten bezahlen.

Es ist eine Grundregel, daß derjenige, der gezwungen war, Krieg zu führen, immer sucht, sich der Unkosten zu entladen. Es ist genug, daß er den Tod der Krieger zu beweinen hat, die es ihn kostete. Wir haben auch zu beweynen, wir haben Witwen und Waisen zu trösten, und das erkenntliche Vaterland wird sich seiner Schuld gegen sie entledigen; würden Sie ihm wohl den Beystand, ihm die Mitel dazu zu verschaffen, versuchen? Sie sind ein guter Schweizer Bürger Lavater aber die Menschenliebe wird bey Ihnen über die Liebe des Volkes siegen; - und kann man über dies sein Geld besser auf Intresse legen, als wenn man es verwendet, den Schaden zu ersetzen, den man verursacht hat?

Fehrn sey daher der Gedanke von Ihnen, daß Frankreich das Kriegsrecht mißbrauchen wolle. Wenn ungerechte Gewaltthätigkeiten, die allzu oft von dem ersten Augenblick der aufwallenden Leiden= schaften unzertrennlich sind, begangen wurden, so bestrafte man sie sobald sie bekannt waren, giebt es noch unbekannte, so rufe man die Thäter vor, man nenne den Urheber und sie werden nach der Strenge der Gesetze bestraft werden. Die französische Nation weiß, daß ächte Größe nur in Gerechtigkeit und Mäßigung besteht, und Sie werden sehen, daß sie die ihrigen immer gegen Euch anwenden werden.

 

 

Vorläufige Beantwortung der Antwort auf das Wort eines freien Schweizers an die große Nation von Paris aus erhalten

Mitwochen den 14.Juni 1798.

Ich achte es für meine Pflicht, dem Verfasser der Antwort auf das Wort eines freyen Schweizers noch einiges zu antworten.

Billig übergehe ich die wenigen Seiten Hiebe, die mir unter der Größe des Schreibers zu seyn scheinen, und die ich nicht zu verdienen glaube. Seinen Wiz ,mit dem eines der Ersten in Frank= reich messen zu wollen, würde wohl ebenso thöricht seyn, als wenn man seine militärischen Kräfte mit denen der großen Nation messen wollte.

Aber minder thöricht scheint es mir zu seyn, ein wahrhafter, freyer, allenfals kühner Vertheidiger der unterdrückten guten Sa= che zu seyn, gegenüber eines menschlichen Menschen, dem man Vernunft, Billigkeit und Freyheitsverehrung beymessen und von dem man erwarten darf, daß weder seine hohe Position, noch die Überlegenheit seines Wizes, noch die Größe seiner Beredsamkeit ihn abhalten werden, die Wahrheit anzuhören und zu respectiren.

Ich danke allervorderst von ganzem Herzen für die Antwort als Antwort überhaupt. Ich setze keinen geringen Werth auf das Antworten und bin weit entfehrnt, mich mit dem Antworter auf eine Linie zu sezen.

Ich mache mir auch keine Bedenken gleich zu gestehen, daß mich der belehrende Ton rührte und daß mich das eine und andere einige Augenblicke frappirte.

Der Verfasser dieser Antwort wird nicht erwarten, daß ich mich sogleich in das Detail aller einzelnen Punkte einlasse. Um nur reine grobfältige, unwiderlegliche Wahrheit zu schreiben, bedarf es zeitfordernde genaue Untersuchung.

Ich kann es aber keinen Posttag anstehen lassen, meinen aufrichtigen Dankbezeugungen ein paar provisorische Worte, deren Wichtigkeit  seinem Scharfsinn und    Billigkeitsgefühl nicht entgehen kann, freymüthig beyzufügen.

A.

Die Rechtfertigung der Antwort beruhet größtentheils auf an= geblichen Thatsachen, von welchen bey uns entweder niemand nichts oder gerade das Gegentheil weif, oder auf Thatsachen, die mit wesentlich verschiedenen Umständen, welche alle Schuld gänzlich vernichtigen, begleitet waren.

B.

Ein wichtiger, unberührter Hauptpunkt ,der mir sehr am Herzen liegt, ist der: daß es mir schreyende, unverzeihbare und geradezu tyrannische Ungerechtigkeit zu seyn scheint, unsere ehemaligen sogenannten Aristokraten als Partner und Oligarchen und solche anzusehen und ausschließend zu bestrafen, als solche, welche das ausschließende Regierungs-Recht haben, da alle Bürger der Stadt regierungsfähig waren und aus allen Ciassen gewählt werden konnten.

Wie oft ist dies schon gesagt und umsonst gesagt worden! Ob das gerecht. seye, mag alle Welt entscheiden, und alle Welt mag entscheiden, ob das gerecht sey, wenn alle Regierungsfähigen ihre Regierungsfähigkeit büßen müssen.

C.

Es ist fehrner notorisch, daß der Bürger Rapinat in die Rechte und Freyheiten eines freygenannten Volkes täglich Eingriffe thut und bey vernünftigen, wörtlichen Demonstrationen gegen Schazplünderungen mit Bajonets droht: notorisch, daß alle Klagen des Directorium in Aarau solcher und anderer Eingriffe wegen bisher fruchtlos sind; notorisch, daß man mit uns nicht wie mit einem freyen Volk, sondern als mit einem unterjochten umgeht. Ich will zur Ehre Rapinats und der Nation gerne glauben, die laut gesagte Anecdote sey falsch, daß er laut gesagt habe: Je ferai ä mon nom. Wir beklagen uns nicht über den Obergeneral Schauenburg, der so sehr wie möglich Manneszucht hält, wir beklagen nur Einzelheiten abgerechnet nicht über das Betragen der Franken in der Stadt selbst. Individuen, wakere und liebenswürdige Franken leben als Freunde unter uns, und sie werden sich auch über uns zu klagen nicht Ursach haben, aber wir werden durch die Masse gedrückt und ausgesaugt, aber wir sind nicht frey,s ondern Sclaven geworden.

Ich fühle mich also gedrungen(geschehe mir, was geschehen kann, ich erwarte nichts von der Nation, aber von einzelnen despotischen Agenten derselben das Schlimmste und fürchte nichts),fühle mich, sage ich,g edrungen, da ich weder mit Geld noch mit Waffen meinem armen, ich glaube unschuldig gedrücktem despotischirtem Vaterland pflichtbürgerliche Dienste(leisten)kann, ihm, womöglich und so viel als möglich mit den einzelnen schwachen Mitteln, die mir die Natur gab, mit der Zunge und Feder zu dienen und wenigstens seine Ehre zu retten. Keine Billigkeit kan es mir übelnehmen, keine Gerechtigkeit kann mich strafen, keine Vernunft kann sagen, daß ich etwas meiner Unwürdiges thue, wenn ich alles versuche, die Ungerechtigkeiten zu beleuchten, die man sich gegen mein allgemeines und vorzüglich die, welche man sich gegen mein unmittelbares Vaterland erlaubt.

Oder soll ich schweigen, weil alles schweigt? Soll ich allem Vertrauen gegen die große Nation wegen einiger nahe aufliegender, drükender Namenträger derselben entsagen? Soll ich ein natürliches, durchaus nicht unsittliches Mittel, das in meinen Händen liegt, unversucht lassen, meinem Vaterland und am besondersten meiner Vaterstadt Erleichterung und Entschädigung, oder wenn dieser würdige Zweck nicht erreicht werden kann, wenigstens das Mitleiden und den Trost von ganz Europa zu verschaffen? Welche Rechts liebe wird es unrecht, welche Klugheit unklug nennen dürfen, wenn ich, wofern man nicht sogleich beginnt, mit einer freygenannten Nation unräuberisch und ungewaltthätig umzugehen, unabtreiblich entschlossen bin, das kleine Wort an die große Nation, die mir eingesandte Antworth diesen heutigen Brief und einige unwiderlegliche historische Data zur Annulierung einiger ausgemachten Vorwürffe vor aller Welt Augen - und dies erst unmittelbar in die Cabineter von London, Berlin, Copenhagen und Petersburg zu legen und die Noth unseres Vaterlandes und das unerhörte Betragen einer gesitteten Nation gegen eine gesittete Nation, die sie als Nation nie beleidigte, möglichst zu beleuchten und durch die schnellste, eclatanteste Publicitaet alle Welt und Nachwelt zu überzeugen - entweder, daß das fränkische Directorium sehr übel berichtet oder höchst ungerecht gegen uns ist, daß wir schreklich verleumdet sind, daß wir nicht gehört werden, daß wir in Ansehung einer Menge

Fehler, die man uns beymißt, ganz unschuldig, daß nicht wir die Angreifer, sondern die Angegriffenen, daß wir nicht frey, sondern in Sclaverei gesezt worden sind und daß einige Agenten der fränkischen Republik unwürdig der großen Nation in ihrem Namen mit uns gehandelt.

Wie kann ich den Führern der großen Nation unüberhörbar genug sagen:"Es ist nur eine Stimme aller der verschiedensten Menschen, aller sogenannten Aristocraten und Democraten ohne Ausnahme, aller ruhigen und curagirten, aller Franken, die sich bey uns aufhalten

und die Lage der Sachen kennen und aller Gesetzgeber und Directoren in Arau wie verschieden diese denken und wie constitutionswidrig und willkürlich man diese immer ändern mag; nur eine Stimme durch ganz Deutschland vom Fuße des Jura bis zum Baltischen Meer: die Geschichte kennt kein Beispiel einer so widerrechtlichen und gewaltthätigen Einmischung in fremde Angelegenheiten einer friedlichen Nation wie die, die sich die Franken-Republik in dem Übermuth ihres Waffenglücks gegen die Schweizer zu Schulden kommen ließ.

Ich seze gern voraus, daß der Schreiber der Antwort Gerechttigeit respectiere, das er das Daseyn einer unsichtbaren und all= mächtigen Gerechtigkeit glaube, welche Könige entthront, Tyrannen stürzt wid Heuchler der Freyheit nicht minder als Heuchler der Religion entlarvt, und wenn die Voraussehung gegründet ist, so wird er mir erlauben zu erwarten und meine zuversichtliche Erwartung laut auszusprechen, daß eben diese unsichtbare und allmächtige Gerechtigkeit alle Unterdrücker der Unschuld, welche glänzenden Namen den Wohlthätern und Befreyern sie sich immer geben mögen, entlarven, demüthigen und auf eine sehr enrnsthafte Weise ihres Spots über alle Gerechtigkeit spotten werde.

Ich spreche von Spot über unwidersprechliche Gerechtigekit. Wir Bürger wenigstens glauben, nichts als Gerechtigkeit verlangen zu dürfen, doch wenn dies Verlangen nach bloßer Gerechtigkeit dem übel berichteten Directorio der großen Republik ungerecht scheinen könte, wenn alle Schritte zur Belehrung Gott weiß durch welche geheime, gewissenlose Verleumdungsgewalt unmöglich oder fruchtlos gemacht werden, wenn das hohe Collegium sich berechtigt glauben sollte, sich über alles, was uns geradsinigen, biedren, ungeschraubten Alt Schweizeren Gerechtigkeit scheint, groß zu moquiren, so wag ich es doch zu hoffen und zu glauben ,es wird nicht kleinlicht genug seyn, sich zu moquiren über das Herz eines armen, schwachen Particulars (sollte es auch Spot über dessen Geistesschwäche nicht unter seiner Würde achten),nicht unedel genug seyn, sich zu moquiren über die Bite, die herzdurchdringende Bite eines humanen, innerlich frey sich fühlenden Menschen, eines Staatsbürgers, der die nun einmal angenommene Constitution, aller hier drükenden, armmachenden Gebrechen ungeachtet, möglichst unterstüzt und allen herrschsüchtigen Oligarchismus verabscheut, über die Bite eines, ich darf hinzusezen: wahren Bewunderers der unvergleichlichen Größe der Nation und endlich die Bite eines Hirten mehrerer Stadt und Landgemeinden, die unter der Bürde der geforderten Contributionen, Requisitionen, Einquartirungen und anderen Lasten geduldig, aber schwer seufzen - nicht spoten, hoffe ich, wird man der Bitten eines nichts für sich suchenden Mannes, der sich zu den Füßen der Direktoren werfen und ins Innerste ihrer Herzen rufen möchte:"Nun dann, wenn es Euch nicht gegeben ist, die Gerechtigkeit unserer Forderung von Entlastung und Entschädigung zu erkennen, so hält doch wenigstens gemeinschaftliches Mitleiden mit uns! Handelt groß, edelherzig gegen die ehemaligen Schweizer und besonders gegen uns arme, Gott weiß, ob nicht gegen Euch ganz unschuldige Zürcher!

Ich sollte um Vergebung bitten, dem Leser oder den Lesern dieses Schreibens einige kostbare Augenblicke geraubt zu haben, allein, wenn Sie mir Gehör geben werden, so sind ihnen diese Augenblicke nicht geraubt; wenn Sie edel sind, so werden Sie sich freuen, eine Gelegenheit zu haben, ihren Edelmuth zu beweisen, ganz Europa wird Sie deswegen ehren, Helvetien wird Ihnen danken, Zürich Ihnen die Hand küssen, und der Schreiber dieses wird alle Kräfte aufbieten, allen Menschen zu zeigen, wie sehr man sich in den Franken geirrt habe.

Wenn übrigens dieses alles fruchtlos seyn sollte (was ich zu denken mir nicht erlauben darf),mein Glauben wird mich immer verpflichten, auch die gedrückteste Unschuld zur schweigenden Geduld und zur demüthigsten Unterwerfung zu ermahnen, und wenn ich erst, wie es einem Mann von Ehre geziehmt, alles gethan haben werde, was eine bewaffnete Vernunft thun konnte und was ungewaltthätig Vaterlandsliebe pflichtmäßig thun mußte, mein Glaube wird mich verpflichten, selbst ein Beyspiel schweigender Geduld und demüthiger Unterwerfung zu seyn und ehrfurchtsvoll zu denken an des muthigen Sprechers und des geduldigsten Schweigers ebenso männliches als kindlich einfältiges Wort an seinen ungerechten, mit Geduld und Despotisme prahlenden Richter. Du hättest keine Gewalt über mich, wenn sie Dir nicht von oben herab gegeben wäre, doch der mich Dir überliefert hat, die größere Sünde.

Zürich Mitwoch d.20.Juni 98        Joh. Caspar Lavater.

 

 

An das helvetische Direktorium in Arau zu Händen der Gesezgeber.

Bürger Directoren!

Darf ich bitten, die Inlage an die Gesezgeber zu lesen und zu übergeben

Gruß und Hochachtung.

d.h. Juli 1798.     Joh. Caspar Lavater.

An die Bürger Gesezgeber - Arau.

Bürger Gesezgeber!

Ich erhalte soeben ab der Post einige Exemplare beyliegender Euch vermuthlich schon bekannter Bi1chrift der Armen an die Gesetzgeber Helvetiens, und ich achte mich gleich nach Lesung derselben verbunden, Euch auf diese so höchst wichtige, wahrheitreiche Schrift und auf die unausbleiblichen Wirkungen, welche dieselbe hervorbringen muß, aufmerksam zu machen.

Der mir unbekannte Verfasser spricht mir und tausend wahrscheinlich nicht verächtlichen Staatsbürgern aus dem Herzen. Man könnte das wahr und stark gesagte leicht noch stärker sagen und die schreyende Ungerechtigkeit und die grell auffallende, Euch umsonst vorgelegte Inconsequenz Eurer gewaltthätigen Handlungsweise in dieser puren Rechtsache noch in ein helleres Licht sezen. Ich fürchte, Bürger Gesezgeber, bitere Reue und unheilbarer Schaden und laute Klagen, die sich mit Gründen und nicht mit Machtsprüchen werden beantworten lassen, welche freylich Gesezgeber eines frey genannten Volkes nicht sehr wohl anstehen werden, die schleunige Folge Eurer Übereilung und dieses eciatanten Beweises Eurer Reuheit in dem Fache der Gesezgebung seyn.

Es wäre Euer, wenigstens der ächten Patrioten unter Euch, würdig eine Revision dieses nicht nach Gesezen des Rechts, nicht nach dem allgemeinen Gefühl der Billigkeit und Menschlichkeit, sondern bloß revolutionär behandelten Geschäfts vorzunehmen, sollte dieses indessen,Bürger Gesezgeber, - ich weiß zwar nicht warum? Euch unmöglich scheinen, so sey Euch diese schreyende, alles Vertrauen zu Eurer Gerechtigkeit erstickende Übereilung des ermehrten gehenden Raubs wenigstens eine Warnung vor ähnlichen Handlungen des gewaltthätigen Eingriffs in die Eigenthumsrechte so vieller Staats-Bürger, so vieller tausend Armen.

Verwünscht sey die Freyheit, die widerrechtlich handelt, verachtet die Gesetgebung, die eigenmächtige Beeinträchtigungen als patriotische Handlungen aufstellt, verdammt sey jedes Gesez, das auf Ungerechtigkeit gegründet ist und verflucht jede Leidenschaftlichkeit, welche dem Armen seyn leztes Labsam gesezlich aus den Händen windet. Eine Ungerechtigkeit ruft Tausenden, ein verkehrter Grund= saz, der, genau betrachtet, auf nichts beruhet als auf voreilig gemachten Hoffnungen, deren Zwek war, Gewinnung des Volks, oder auf Nachäffung der sogenennten großen Nation, ein Fehler, vor welchem Ihr Euch sehr zu hüten habt, führt in unabsehbare Labyrinthe.

Bürger Gesezgeber! Wollt Ihr Freyheit, so seyd gerecht, und wollt Ihr Ruhe des Vaterlands, so treibt kein Machtspiel mit dem Eigenthum - Ungerechtigkeit ist die furchtbarste Contrerevolution gegen die allgemein angenehmere Freyheit und Gleichheit.

Ihr habe keine zu befürchten, wenn Ihr gerecht seyd, aber seyd Ihr ungerecht, so erwartet das Schlimmste. Welchem Helvetier würde er irgendeine Gerechtigkeit verdenken können, wenn er, solcher Raubs-Freyheit gleich anfangs müde, sein Bürgerrecht in eigener Persohn in den Schoß der Ungerechtigkeit zurüklegen und sich allenfalls lieber unter eine despotische Regierung, wo er seines Eigenthums sicher wäre, begeben würde?

Republikanischer Gruß allen biederen Republikanern und Hochachtung aller hochachtenden Gerechtigkeit

Zürich d.11.Julli  1798     Joh. Caspar Lavater

Quelle Biografie:

persönliche Anmerkung, mein Dank geht an den ehemaligen, mir ubekannten, Besitzer dieser Abschrift, der in vermutlich tagelanger Mühe, diesen Text per Schreibmaschine transkribiert hat und an die moderne Technik, die es in sekundenschnelle ermöglicht maschienengeschriebene Texte einzuscannen.





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