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Sonderbundskrieg - Proklamation


22.01.1848
Danksagung der eidg. Tagsatzung an die Schweizer Wehrmänner

Nachdem die Kampfhandlungen nach weniger als einem Monat durch die Kapitulation der Sonderbundskantone beendet worden sind, bedankte sich die eidgenössische Tagsatzung am 22. Januar 1848 mit einer Proklamation bei den beteiligten Wehrmännern der eidg. Armee.

Vollständiger Text der Proklamation :

Proklamation

Die eidgenössische Tagsatzung

an die

Schweizerische Armee.

Eidgenössische Wehrmänner !

Ihr seid zum grössten Theil an Euern häuslichen Heerd zurückgeehrt.

Die Tagsatzung will nicht länger säumen, Euch den Dank der Nation auszusprechen für Euer Verhalten und die Dienste, die Ihr dem Vaterlande geleistet habt.

Unserm Rufe folgend, seid Ihr mit der  edelsten Bereitwilligkeit unter die Fahne der Eidgenossenschaft geeilt.

Wie gross auch Euere Begierde war, Euch mit dem Gegner zu messen, so habt Ihr doch den Befehl zum Kampfe mit jener Ruhe erwartet, welche das Kennzeichen des wahren Muthes ist.

Euere langen und beschwerlichen Märsche, Euere Wachen, Euere Beiwachten in kalten Nächten bei vorgerückter Jahreszeit sind bewundernswerth gewesen. Euere Geduld, Euere Heiterkeit und Euer frische Muth mitten unter Beschwerden und Entbehrungen jeder Art haben uns tief bewegt und Euch die Achtung der Kriegskundigen erworben.

Diesen Tugenden habt Ihr durch Euere Unerschrockenheit in der Stunde des Kampfes die Krone aufgesetzt. Ihr habt Euch bei mehreren Gefechten ausgezeichnet : Lunnern, Geltwyl, Muri, das Gehölze des Daillettes und das Fort St. Jacques bei Bertigny, Escholzmatt, Schüpfheim, Gislikon und Meyerskappel sind die vorzüglichen Zeugen Euerer Begeisterung und Eueres Muthes gewesen. Angesichts von Gegnern, welche Schweizer, und tapfer wie Ihr, aber verirrt waren, habt Ihr einen Sieg davon getragen, der um so grösseren Werth hat, als Ihr öfters kräftigem Widerstand gefunden habt.

Mittels der Kraft und der Raschheit, mit welchen Ihr die Beschlüsse der Räthe der Nation ausgeführt habt, mittels Euerer Hingebung, Euerer Ausdauer, Euerer militärischen Ausbildung, Euerer Manneszucht, der Geschicklichkeit Euerer Führer hat die Schweiz ihren Ruhm verjüngt, ihren Namen geachtet gesehen und wieder einen ehrenvollen Rang unter den Nationen eingenommen. Ihre Unabhängigkeit ist mit einem neuen Schutzwalle umgürtet worden.

Eben so ruhmreich war Euere Grossmuth gegen die Schweizer, die Ihr zu bekämpfen hattet. Ihr habt Euch erinnert, dass sie Brüder, dass hingegen die wahren Schuldigen jene Menschen sind, die sie fanatisiert und auf verderbliche Bahn geführt haben. Indem Ihr Blut schontet, die Personen, das Eigenthum, die Tempel und Altäre, die religiösen Gebräuche und ihre Diener achtetet, indem Ihr dieselben nöthigenfalls beschüztet, indem Ihr die Bewohner der okkupierten Kantone mit Wohlwollen behandeltet, habt Ihr diese von der Menschlichkeit und Gerechtigkeit der Miteidgenossen überzeugt. Ihr habt ihnen durch die That bewiesen, dass die Mehrheit weder ihre Kantonalsouveränität, noch ihre Rechte, noch ihre Freiheit, noch ihre Religion antasten will. Indem Ihr auf solche Weise Irrthümer und Vorurtheile zerstreutet, habt Ihr beigetragen, sie der Eidgenossenschaft zurückzuführen und die Harmonie unter ihren Gliedern herzustellen.

Der gute Ruf, den Ihr Euch erworben habt, kann nicht geschwächt werden durch die Unordnung, welche verschiedenen Militärs, die bereits den Gerichten überwiesen sind, zur Last gelegt werden, weil die eidgenössische Armee nicht für vereinzelte Handlungen, deren Anzahl und Schwere übrigens glücklicher Weise sehr übertrieben worden, gemeinverantwortlich ist.

Darum machen wir es uns zur Pflicht wie zum Vergnügen, der Exemplarischen Manneszucht der eidgenössischen Armee und dem vortrefflichen Geiste, der sie beseelte, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Sie hat gezeigt, was republikanische, vom Pflichtgefühle geleitete Milizen vermögen: sie hat dargethan, was eidgenössische Wehrmänner sind, die ihre Aufgabe mit klarem Bewusstsein erfassen.

Auch hat man sich überzeugen können, wie unerlässlich für die Eidgenossenschaft eine Wehrverfassung ist, die alle wehrkräftigen Männer des Landes umfasst, und dass die Waffenübungen, die Inspektionen, die Militärunterrichtsanstalten, die Lager weder eine eitle Parade, noch eine Luxusausgabe sind.

Offiziere und Soldaten ! Die militärische Sendung, die Euerer Vaterlandsliebe anvertraut worden ist, hat die glücklichen Ergebnisse gehabt. Der Sonderbund, dieser zerstörende Keim, der das Dasein der Schweiz bedrohte, ist vernichtet worden. Ueberall hat das eidgenössische Banner – in den sieben Kantonen aufgepflanzt – siegreich geflattert über der Standarte der Trennung, überall hat es die Fahnen der eidgenössischen Stände in einen einzigen Fahnenbund vereinigt, über welchem die Nationalfarben schweben. Befreit von dem Joche, dass auf ihnen lastete, haben die Kantone Luzern, Schwyz, Freiburg und Wallis die Jesuiten und die ihnen affiliierten Orden ausgewiesen, jene gefährliche Gesellschaft, welche – mehr einen politischen Zweck als die heiligen Interessen der Religion anstrebend – jene Stände ins Unglück gestürzt, die ganze Schweiz verwirrt und ihre innere und äussere Sicherheit gefährdet hat.

Mit der Hülfe der Armee hat die Tagsatzung dem eidgenössischen Bundesvertrag Achtung verschafft, die Ordnung, Ruhe und Sicherheit des Landes hergestellt, den Aufruhr unterdrückt, die Minderheit zum Gehorsam gegen die Gesetzte und die Behörden des Bundes zurückgeführt, das Land vor der Anarchie bewahrt und auf diese Weise seine Unabhängigkeit sammt seiner Freiheit gerettet. Indem die Eidgenossenschaft eine  Krise glücklich durchmachte, die nur noch mit Waffengewalt gelöst werden konnte, ist sie einiger und stärker als je aus der Prüfung hervorgegangen, der sie wiederfahren hat. >Das Gefühl, dass die Schweiz eine Nation ist, und dass sie, nächst Gott, ihrer Unabhängigkeit nur sich selbst verdankt, ist tiefer und lebhafter als je geworden, in Folge des gewonnenen Bewusstseins, dass sie die Mittel besitzt, diese köstlichen Güter, die Bedingungen ihres Daseins, zu vertheidigen.

Unter dem Schutze des eben wieder befestigten Friedens kann die Schweiz an ihrer materiellen Wohlfahrt und an der Vervollkommnung ihrer Staatseinrichtungen arbeiten.

 

Ihr seid stolz darauf, zu diesen grossen Ergebnissen so mächtig mitgewirkt zu haben. Und wenn wider Erwarten ein äusserer aber innerer Feind es versuchte, diesen Frieden zu stören, so würdet Ihr, eidgenössische Wehrmänner! Euch von neuem zu erheben und seine Unternehmungen zunichte zu machen.

Wahr ist es, diese Resultate sind nicht ohne grosse Opfer von Seite der Eidgenossenschaft, der Kantone, der Gemeinden, der Wehrmänner und anderer Bürger erreicht worden. Aber glücklicher Weise überstiegen dieselben unsere Kräfte nicht, und diese Ausgaben, die bald wieder ersetzt seyn werden, sind reichlich ausgeglichen durch den Aufschwung, welchen alle Nationalkräfte gewonnen haben, sowie durch die Achtung, mit der die Schweiz umgeben ist.

Ein viel schmerzlicheres Opfer ist dasjenige des Lebens einer gewissen Anzahl Schweizerischer Wehrmänner, sind die schweren Wunden, von welchen viele unter ihnen betroffen worden sind. Es ist allerdings richtig, dass die Anzahl der Todten und der Verwundeten im Vergleich mit dem, was hätte begegnen können, und im Verhältnis zu den ins Feld gestellten Kräfte gering ist. Aber das Vaterland trägt nichts desto Treuer um seine Söhne jener Krieger umkränzen, und auf den Glanz, den sie auf den Schweizernamen geworfen haben.

Ehre also den Tapfern, die auf dem Schlachtfelde umgekommen oder verwundet worden sind. Sie haben mit ihrem kostbaren Blute die Sache des gemeinsamen Vaterlandes besiegelt. Ihre Namen, in unauslöslichen Zügen ins Herz der Zeitgenossen gegraben, werden der Nachwelt überliefert werden.

Die Gaben, welche zu Gunsten der Opfer so reichlich aus der Schweiz, selbst aus dem Auslande fliessen, die Summen, welche die Eidgenossenschaft diesem Werke der Gerechtigkeit und der Pietät geweiht hat, geben sattsames Zeugnis, das die Republiken nicht undankbar sind, und das, wenn es sich um Wohlthätigkeit handelt, die Völker sich eine brüderliche Hand zu reichen wissen.

Die besondere Erwähnung, die so eben von den Todten und Verwundeten gemacht worden ist, mindert in nichts die Dankbarkeit des Landes gegen alle Bürger, welche die Waffen für das Vaterland ergriffen haben . sowohl Milizen als Freiwillige.

Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten, Wehrmänner aller Waffen und aller Grade ! Ihr habt Euch würdig erzeigt des unbeschränkten Zutrauens, welches die Nation in Euren Muth und in Eure Hingebung gesetzt hat! Ihr habt die Erwartung erfüllt, welche Euch die Tagsatzung in ihrer Proklamation vom 4. Wintermonat abhin ausgedrückt hat. So erklären wir denn auch im Namen der Schweiz :

Die eidgenössische Armee hat sich um das Vaterland hoch verdient gemacht.

Jeder von Euch wird ein Exemplar gegenwärtiger Proklamation empfangen als Zeugnis der vollen und gänzlichen Zufriedenheit der Bundesversammlung.

Und damit der Armee diese Anerkennung noch auf glänzender Weise in der Person ihres Führers ausgesprochen werde, haben wir dem General Dufour einer besonderen Ehrenbeweis zuerkannt.

Die Tagsatzung will sich nicht von Euch trennen, eidgenössische Wehrmänner, ohne Euch ihre lebhafte Erkenntlichkeit darüber auszusprechen, das Euer Muth der Energie, die sie unter schwierigen Umständen entfalten musste, kräftig Hand geboten hat. Die Repräsentanten der Schweiz wünschten sich Glück, das sie einig gegangen sind mit der Armee, das sie von  ihr so gut begriffen und unterstützt worden sind.

Zum Schlusse fühlen wir uns gedrungen, die lebhafteste Danksagung an Denjenigen zu richten, ohne dessen Hülfe die Anstrengungen des Menschen ohnmächtig und seine Versuche eitel sind. Gott hat die Schweiz sichtbarlich geschützt und unsere Sache gesegnet. Er hat Euch mit seinen unbesieglichen Schilde gedeckt und durch die Kraft seines Armes habet Ihr überwunden.

Ehre und Ruhm für und für – sei deswegen gebracht dem allmächtigen Gott!

So beschlossen in unserer Sitzung zu Bern, den 22. Jänner 1848.

Die ordentliche eidgenössische Tagsatzung;

In deren Namen,

Der Präsident des Regierungsrathes des

Eidgenössischen Vorortes Bern,

Präsident der Tagsatzung:

Ochsenbein.

Der eidgenössische Staatsschreiber:

Schiess.

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