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Auguste Forel


01.09.1848 - 27.07.1931
Schweizer Psychiater, Hirnforscher, Entomologe, Philosoph und Sozialreformer

geboren 1.9.1848 Morges,gestorben 27.7.1931 Yvorne, ref., später Bahai, von Morges. Sohn des Victor, Geometers, später Landwirts, und der Pauline geb. Morin, aus den Cevennen. Cousin des François-Alphonse. Schwager des Edouard Frédéric Bugnion. ∞ 1883 Emma Steinheil, Tochter des Eduard, Ingenieurs, Optikers und Entomologen. Matura in Lausanne, Medizinstudium in Zürich. Seine Dissertation verfasste F. 1871 beim Hirnanatomen Theodor Meynert in Wien über den Thalamus opticus. Schon als Kind betrieb F. Ameisenforschung. 1869 erschien seine erste Arbeit über die versteckten Raubmördersitten der Ameise Solenopsis fugax. 1872 erhielt er für "Die Ameisen in der Schweiz" den Schläfli-Preis der Schweiz. Naturforschenden Gesellschaft 1873 ging er an die von Bernhard von Gudden - dem Arzt Ludwigs II. von Bayern - geleitete Kreisirrenanstalt nach München, wo er sich auch als Hirnanatom betätigte. Mit Hilfe der Gudden'schen Exstirpationsmethode untersuchte F. den Bahnverlauf von Hirnnerven. 1876 habilitierte er sich in München mit einer Schrift über die Hauben-Region des Mittelhirns. 1879 wurde F. zum Sekundärarzt der Irrenanstalt Burghölzli in Zürich ernannt; noch im selben Jahr übernahm er deren Leitung und wurde zum Ordinarius für Psychiatrie gewählt.

Überzeugt durch einen Angehörigen des Blauen Kreuzes, Jakob Bosshardt, wurde F. 1886 abstinent und ein nimmermüder Kämpfer gegen den Alkohol. 1888 gründete er die Trinkerheilstätte Ellikon an der Thur, heute Forel-Klinik, als deren Hausvater er Bosshardt einsetzte. Trotz Vorbehalt gegenüber allem Religiösen wurde F. 1892 zum Gründer der ersten Guttempler-Loge der Schweiz. Ab 1886 entwickelte er eine ungeheure Schaffenskraft. Neben seinen Ameisenforschungen, die er zeitlebens betrieb, entwarf er die Hypothese der Blastophthorie (Keimverderbnis). Darunter verstand F. krankhafte Veränderungen des Protoplasmas von Spermatozoen durch Alkohol und daraus resultierende Krankheiten und Missbildungen, die dann über Generationen vererbt würden. Sodann beanspruchte F. zu Recht, 1886 gleichzeitig, aber unabhängig von Wilhelm His (1831-1904) die Neuronentheorie konzipiert zu haben. F. missgönnte dem späteren Nobelpreisträger (1906) Santiago Ramón y Cajal zeitlebens den Erfolg, obwohl dieser 1889 F.s blosse Vermutung betreffend der Neuronentheorie tatsächlich beweisen konnte. 1887 erlernte F. die Technik der Hypnose. 1888 setzte er sich erfolgreich dafür ein, dass Psychiatrie medizin. Prüfungsfach wurde. 1894 erarbeitete F. einen Entwurf für ein (nicht verwirklichtes) schweiz. Irrengesetz, der sich nachhaltig auf einige kant. Gesetzgebungen auswirkte; insbesondere die Psychiatrie-Gesetzgebung des Kt. Waadt nahm seine Gedanken der Rassenhygiene auf und schreckte auch vor der Zwangs-Sterilisation nicht zurück (1928). F. selber plädierte in gewissen Fällen von psych. Krankheit gar für die Euthanasie. 1896 wurde F. von der Univ. Zürich zum Dr. phil. h.c. ernannt.

1898 quittierte F. seinen Dienst im Burghölzli und an der Universität, um "Apostel der Wahrheit" zu werden. Er setzte sich in der Folge gegen den Alkoholismus und für die soziale Frage, die Psychiatrie, das Strafrecht, die Wissenschaften sowie neu für den Pazifismus ein. 1905 erschien die vielfach neu aufgelegte "Sexuelle Frage", die nicht nur ein allgemein verständl. Aufklärungsbuch sein sollte, sondern auch eine Kampfschrift gegen die Prostitution, gegen die Unterdrückung der Frau und für das Frauenstimmrecht. Weder der Tod seiner jüngsten Tochter Cécile 1906 noch ein Hirnschlag 1912 konnten die Schaffenskraft und den expansiven Geist F.s eindämmen. 1916 wurde F. Sozialist; er hatte Esperanto gelernt, setzte sich für den Völkerbund ein und trat der weltumfassenden Bahai-Religion bei. In seinem Testament verpflichtete er seine Kinder, das Glück, das Wohlbefinden und die Moral der Menschheit mittels Individual- und Rassenhygiene (u.a. Zuchtwahl) zu fördern.

Quelle Biografie:

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Auguste Forel aus dem Historischen Lexikon der Schweiz (HLS) - Onlineversion des Historischen Lexikon der Schweiz. Autorin/Autor: Vera Koelbing-Waldis. Version : 08.12.2005.





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